Aktualisiert am 27. Januar 2026 von Angelika Klein
Rottweil gehört zu den Städten, die ich lange vor mir hergeschoben habe – obwohl sie nur rund 70 Kilometer von meinem Wohnort Sindelfingen entfernt liegt. Dabei gilt Rottweil als die älteste Stadt Baden-Württembergs: Bereits im Jahr 73 n. Chr. gründeten die Römer hier unter dem Namen Arae Flaviae einen Militärstützpunkt. Noch heute prägen Türme, Tore und historische Gebäude das Stadtbild.
Rottweil ist zudem eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht und verbindet jahrhundertealte Tradition mit moderner Architektur. Ein markantes Beispiel dafür ist der TK Elevator Testturm, der seit 2017 vor den Toren der Stadt steht und als höchster Aufzugstestturm Europas gilt.
Als ich gegen Mittag in Rottweil ankomme, liegt noch Nebel über den Hügeln rund um die Stadt. Unterwegs höre ich im Radio, dass die Landwirte heute auch in Rottweil auf die Barrikaden gehen wollen. Na, da hab ich mir ja den richtigen Tag für meinen Ausflug ausgesucht. Aber ich lasse mich davon nicht abschrecken!
Statt direkt zum Testturm zu fahren, entscheide ich mich zunächst für einen Spaziergang durch die historische Altstadt. Der Nebel hängt noch zwischen Gassen, Plätzen und Türmen und verleiht der Stadt eine besondere, fast mystische Stimmung.
Ich parke meinen Wagen auf dem Parkplatz P6 in der Stadtgrabenstraße – zentral gelegen und preiswert. Von hier aus bin ich in wenigen Minuten zu Fuß am Schwarzen Tor und starte meinen Rundgang durch eine Stadt, deren Geschichte an nahezu jeder Ecke sichtbar wird.

Der untere Teil des Schwarzen Tors wurde 1230 aus Buckelquadern als Teil der staufischen Stadtbefestigung errichtet. Am Schwarzen Tor beginnen am Fasnachtsmontag und -dienstag die berühmten Rottweiler Narrensprünge.
Die Hauptstraße ist Rottweils gute Stube mit malerischen alten Häusern, die oft schön verzierte Erker haben. Ich gehe aber erstmal durchs Tor und ein Stück bergauf zum Hochturm.

Leider ist der Turm eingerüstet. Um die Rundsicht vom Turm auf Neckartal, Schwäbische Alb und Schwarzwaldvorland zu genießen, muss man bei der Tourist-Information neben dem Alten Rathaus den Schlüssel abholen. Ich mache das nicht, weil es noch neblig ist und ich später sowieso noch auf den Testturm will. Eine dünne Schneedecke hat die Parkanlage um den Turm in eine zauberhafte Winterlandschaft verwandelt.
Von hier oben sehe ich auch den TK-Testturm, der hinter den Häusern wie ein riesiger Finger aus der Landschaft ragt.

Ich gehe zurück in die Stadt und schaue mir das Münster an. Inzwischen sind die protestierenden Bauern in Rottweil eingetroffen. Das Hupen der Traktoren kontrastiert mit der Beschaulichkeit des Ortes.

Das Heilig-Kreuz-Münster wurde schon im 12. Jahrhundert errichtet. Im 15. Jahrhundert wurde es im gotischen Stil umgebaut und im 17. Jahrhundert barockisiert.
Ich finde das Münster auch von innen sehr schön. Es wurde vor ein paar Jahren generalsaniert, was sich offenbar gelohnt hat.

Das überlebensgroße Kruzifix im Hauptchor wird Veit Stoß zugeschrieben. Man kann es leider nur aus der Ferne bewundern, da der Altarraum nicht betreten werden darf.
Ich mache mich auf den Weg zur Dominikanerkirche, doch die Bauern ziehen auf ihren Traktoren hupend über den Kriegsdamm, den ich überqueren muss, um dorthin zu gelangen. Einige Passanten winken ihnen zu. Ich frage mich, wie ich nachher aus der Stadt komme, und ob ich es überhaupt noch zum Testturm schaffe.

Ein Traktor hält für mich an, damit ich über die Straße gehen kann – das finde ich sehr nett vom Fahrer.

Die Dominikanerkirche wurde ab 1268 im hochgotischen Stil erbaut. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie zur Wallfahrtskirche, nachdem 42 Kirchenbesucher bezeugt hatten, dass die Marienstatue des Rosenkranzaltars im November 1643 zweimal die Augen bewegt hatte. 1753 erhielt die Kirche ihre heutige Barockausstattung und wurde mit Fresken ausgemalt.
Ich gehe zurück zur Hauptstraße mit ihren vielen schönen Häusern. Eines der auffälligsten ist das Kirsnersche Haus.

Das Kirsnersche Haus an der Hauptstraße stammt aus dem 15. Jahrhundert, der Westgiebel wurde allerdings erst 1938 bemalt. Der Apostelbrunnen vor dem Haus ist eine Kopie des ehemaligen Rösslebrunnens und wurde erst 1984 hier aufgestellt.
Jetzt wird es aber Zeit für einen Kaffee. Zwischen Altem Rathaus und Kirsnerschem Haus biege ich in die Rathausgasse ein, wo das Café Schädle mit leckeren Torten und selbstgemachtem Apfelstrudel lockt.

An Rottweils Geschäften, Restaurants und Cafés ziehen oft verzierte schmiedeeiserne Schilder die Blicke auf sich. Hier das Schild des Café Schädle gegenüber vom Alten Rathaus.
Bei selbstgemachtem Apfelstrudel kann ich nicht widerstehen. Mir fällt ein, dass ich beim letzten 12 von 12 in Cochem auch einen gegessen habe 😆. Schwer zu sagen, welcher der bessere war.

Im Café erfahre ich, dass die Bauern nach dem Konvoi-Fahren zu einer Kundgebung gehen. Es wird auch schon ruhiger draußen. Meine Hoffnung wächst, dass ich ungehindert zum Testturm fahren kann.
Tatsächlich – als ich das Café verlasse, sehe und höre ich kein Gehupe mehr. Nach einer kurzen Fahrt parke ich auf dem Besucherparkplatz direkt vor dem TK-Elevator-Testturm. Das Autokennzeichen wird bei der Einfahrt automatisch gelesen und gespeichert, sodass man kein Parkticket braucht. Am Automaten gibt man dann vor der Ausfahrt sein Kennzeichen ein und zahlt die angefallenen Gebühren. Die Schranke öffnet sich automatisch, sobald man mit seinem Wagen davorsteht. Sehr praktisch.
Der Nebel hat sich zwar etwas gelichtet, aber leider ist die Sicht nicht wirklich gut. Trotzdem ist allein die Fahrt im Hochgeschwindigkeitsaufzug beeindruckend.

Der TK Elevator Testturm ist 246 m hoch und hat die höchste Besucherplattform Deutschlands (auf 232 m Höhe). Im Turm gibt es zwölf Aufzugsschächte, in denen Ingenieure Aufzüge mit Geschwindigkeiten bis zu 18 m/s testen. Der Besucheraufzug bringt mich in 30 Sekunden zur Plattform.
Ich staune nicht schlecht, als ich oben auf eine Gruppe von etwa 30 Landwirten treffe (sollten die nicht eigentlich bei ihrer Kundgebung sein?), die an einer Turmführung teilnehmen. Ich höre dem motivierten Guide eine Weile zu und erfahre, dass das arme Rottweil in den nächsten Jahren eine Hängebrücke und eine Justizvollzugsanstalt erhält. Beides soll zusätzliches Geld in die Gemeindekasse spülen.
Die Hängebrücke NECKARLINE wird auf 606 m das Neckartal überspannen und den Testturm sowie das Berner Feld, auf dem er steht, mit der Stadt verbinden. Die Brücke soll jährlich 100.000 bis 200.000 Besucher anziehen. Große Eröffnung ist am 24. April 2026!

12 von 12 Infos
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Hallo Angelika,
jetzt bin ich richtig neugierig auf einen Besuch in Rottweil! Falls ich einen Besuch schaffen sollte (von Norddeutschland aus leider ziemlich weit weg), dann weiß ich dank deines 12 von 12 schon, was ich mir anschauen kann und wo es den besten Apfelstrudel gibt. 🙂
Herzliche Grüße
Wiebke
Danke für deinen netten Kommentar, liebe Wiebke. Wenn du mal in die Stuttgarter Gegend kommst, kann ich dir noch eine Menge Sightseeing-Tipps geben😅. Der TK Testturm, die Altstadt und der Apfelstrudel sind auf jeden Fall einen Besuch Rottweils wert.
Liebe Grüße,
Angelika