Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung des Stadtmuseums Tübingen und des Museums Alte Kulturen der Universität Tübingen.
Wer nach Museen in Tübingen sucht, findet in der Universitätsstadt am Neckar eine erstaunlich vielfältige Kulturlandschaft. Zwischen Stadtgeschichte, Literatur, Archäologie und Gegenwartskunst liegen sieben Orte, die Tübingen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen.
In diesem Artikel stelle ich dir 7 Museen und Kulturorte in Tübingen vor, die mich bei meinen Besuchen besonders beeindruckt haben: vom Stadtmuseum Tübingen über den Hölderlinturm und das Museum Alte Kulturen bis zur Kunsthalle Tübingen und dem Neuen Kunstmuseum Tübingen.
Ein Teil dieser Orte ist für mich eng mit einer persönlichen Führung verbunden: Wiebke Ratzeburg, Leiterin des Stadtmuseums Tübingen, zeigte mir auf einem gemeinsamen Rundgang das Stadtmuseum, den Hölderlinturm, das Hesse-Kabinett und den Historischen Stadtfriedhof. Dadurch wurde für mich besonders greifbar, wie eng Stadtgeschichte, Literatur und Erinnerungskultur in Tübingen miteinander verbunden sind.
Ein weiterer Höhepunkt war mein Besuch im Museum Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen. Dort weitet sich der Blick weit über die Stadt hinaus – bis in die Frühgeschichte der Menschheit. Mit der Kunsthalle Tübingen und dem Neuen Kunstmuseum Tübingen kamen schließlich noch zwei Orte hinzu, die zeigen, wie lebendig auch die Gegenwartskunst in Tübingen ist.
Der Beitrag versteht sich als Ergänzung zu meinem Stadtrundgang durch Tübingen. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern versammelt eine persönliche Auswahl an Museen und Kulturorten in Tübingen, die Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise verbinden.
Tübinger Museen rund um Stadtgeschichte, Literatur und Erinnerungskultur
Gemeinsam mit Wiebke Ratzeburg, der Leiterin des Stadtmuseums Tübingen, habe ich vier Orte besucht, an denen sich Tübingens Geschichte auf ganz unterschiedliche Weise zeigt: das Stadtmuseum Tübingen, den Hölderlinturm, das Hesse-Kabinett und den Historischen Stadtfriedhof.
Gerade in dieser Verbindung wird deutlich, wie eng Stadtgeschichte, Literatur und Erinnerungskultur in Tübingen miteinander verwoben sind.
Stadtmuseum Tübingen – Der Ort, an dem sich alles sortiert
Das Stadtmuseum Tübingen ist ein idealer Ausgangspunkt, wenn du die Stadt nicht nur sehen, sondern auch verstehen möchtest.
Zwischen Fachwerkhäusern, Universität und Neckar entsteht schnell ein stimmiges Bild von Tübingen. Was dabei oft fehlt, ist die Frage: Was hat diese Stadt eigentlich geprägt? Genau hier setzt das Stadtmuseum an. Es zeigt nicht nur Geschichte, sondern hilft dir, Zusammenhänge zu erkennen.
Auffällig ist, wie konsequent das Museum auf Beteiligung setzt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Dauerausstellung zur Scherenschnittkünstlerin und Animationsfilmerin Lotte Reiniger. Ein großer Teil ihres Nachlasses befindet sich heute in Tübingen, weil das Stadtmuseum ihrem Werk dauerhaft Raum gibt.
Statt die Arbeiten nur zu zeigen, wirst du selbst aktiv: In einem Mitmachraum kannst du an Tricktischen und mit einem Projektor ausprobieren, wie ein Scherenschnittfilm entsteht. Dabei wird spürbar, wie viel Geduld und Präzision hinter dieser Kunstform steckt.
Auch die Stadtgeschichte wird hier nicht einfach erzählt, sondern gemeinsam entwickelt. An verschiedenen Stationen kommen Menschen zu Wort, die heute in Tübingen leben und arbeiten. Einer von ihnen ist der Bäcker Albrecht Gehr. An seinem „Brezeltisch“ geht es nicht nur um Zutaten, sondern um die Frage, wie Handwerk, Alltag und Tradition das Leben in einer Stadt prägen. Und wie der Elefant auf die Verpackung der Fala Hefe kam … Die Auflösung gibts im Ausstellungsraum nebenan, der sich um Tübingen in der Kolonialzeit dreht.
Den stärksten Eindruck hat bei mir ein Raum hinterlassen, der sich bewusst von klassischen Ausstellungen löst: der „Room of Memories“.
Du betrittst ihn nicht einfach. Zuerst wählst du einen Gegenstand aus einem Regal, der dich besonders anspricht – etwa eine BRAVO-Zeitschrift, eine „Atomkraft – Nein danke“-Tasse oder eine alte Spielkonsole. Du kombinierst ihn mit einer Eigenschaft, die auf einer Karte steht, wie „gut zuhören können“ oder „mich durchsetzen“. Beides lässt du zurück.
Dann gehst du in einen Raum, der wie ein Dachboden wirkt – und begegnest Fundstücken aus der Zeit des Nationalsozialismus. Hinter jedem Objekt steht eine reale Geschichte aus Tübingen. Was bleibt, ist keine schnelle Erklärung, sondern eine Frage: Wie hättest du gehandelt?
Am Ende werden die tatsächlichen Geschichten aufgelöst – wahlweise kurz oder ausführlich. Genau dadurch entsteht ein Moment, der nachwirkt.
Ergänzt wird das Ganze durch ein digitales „Actionbound“, mit dem du per Smartphone oder Tablet selbst auf Spurensuche durch Tübingen gehen kannst. Auch hier geht es nicht darum, Wissen einfach aufzunehmen, sondern es selbst zu entdecken.
Für mich liegt genau darin die Stärke des Stadtmuseums Tübingen: Es zeigt nicht nur, was war. Es fordert dich auf, dich dazu zu verhalten.
Und genau das macht es zu einem der besten Orte, um deinen Besuch in Tübingen zu beginnen.
Stadtmuseum Tübingen auf einen Blick




Hölderlinturm – Der poetischste Ort am Tübinger Neckar
Der Hölderlinturm in Tübingen gehört nicht nur zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern auch zu den bedeutendsten literarischen Erinnerungsorten weltweit. Direkt am Neckar gelegen, bildet er den markanten Abschluss der berühmten Tübinger Neckarfront, die du von der Neckarbrücke oder von der Neckarinsel besonders schön siehst. Mit den Stocherkähnen am Ufer und der Trauerweide vor dem Turm ist das für mich einer der stimmungsvollsten Orte in Tübingen.
Zugleich ist der Hölderlinturm weit mehr als ein fotogenes Gebäude am Fluss. Er ist ein Literaturmuseum, Dichterwohnhaus und Erinnerungsort in einem. Friedrich Hölderlin verbrachte hier die zweite Hälfte seines Lebens: 1807 nahm ihn die Familie Zimmer in ihr Haus am Neckar auf, wo er bis zu seinem Tod 1843 in einem Turmzimmer lebte. Zu seinen Lebzeiten wurde sein Werk kaum gewürdigt, heute gilt er als einer der wichtigsten deutschsprachigen Dichter.
Die heutige Dauerausstellung nähert sich diesem Lebensabschnitt behutsam. Sie widmet sich Hölderlins Jahren im Turm, seinen Besuchern und seinen späten Gedichten. Gerade das macht den Besuch für mich so eindrucksvoll: Der Ort drängt keine schnelle Deutung auf, sondern lässt Raum für den eigenen Blick.
Wie wichtig die Lage für Hölderlin gewesen sein muss, lässt sich auch heute noch gut nachempfinden. Das Haus liegt direkt am Neckar, und aus seinem Turmzimmer blickte er auf das Flusstal. So wird verständlich, warum der Turm für ihn nicht nur ein Rückzugsort war, sondern auch ein Ort intensiver Wahrnehmung. Licht, Wasser und Jahreszeiten wirken hier plötzlich nicht mehr wie abstrakte Motive, sondern wie etwas, das unmittelbar aus der Umgebung heraus ins Werk eingegangen sein könnte.
Der heutige Turm ist allerdings nicht mehr ganz derselbe, in dem Hölderlin lebte. Nach einem Brand am 14. Dezember 1875 wurde das Gebäude verändert wieder aufgebaut; dabei erhielt der Turm seine heutige runde Form.
Wenn du dich für Literatur, Stadtgeschichte und besondere Orte am Wasser interessierst, gehört der Hölderlinturm für mich zu den eindrucksvollsten Museen und Kulturorten in Tübingen. Auch das gehört zum Reiz dieses Ortes: Er bewahrt Erinnerung nicht als starres Denkmal, sondern als einen Ort, der Geschichte, Literatur und Stadtbild bis heute miteinander verbindet. Wenn du dich für Literaturmuseen in Deutschland, für Hölderlin oder für besondere Orte in Tübingen interessierst, solltest du dir den Hölderlinturm nicht nur von außen ansehen.
Hölderlinturm auf einen Blick



Hesse-Kabinett – Hermann Hesses literarische Anfänge
Das Hesse-Kabinett in Tübingen gehört zu den eher unscheinbaren Museen der Stadt – und gerade das macht seinen Reiz aus. Mitten in der Altstadt, direkt am Holzmarkt gegenüber der Stiftskirche, liegt dieser kleine literarische Erinnerungsort fast verborgen zwischen kleinen Läden und Fachwerkhäusern.
Hier begann Hermann Hesse 1895 seine Ausbildung zum Buchhändler im Antiquariat Heckenhauer. Nach schwierigen Jugendjahren fand er in Tübingen erstmals so etwas wie Stabilität und widmete sich intensiv der Literatur. Am Ende dieser Zeit veröffentlichte er mit den Romantischen Liedern seine ersten Gedichte – ein leiser Anfang für eine spätere Weltkarriere.
Heute erinnert das Hesse-Kabinett an diesen frühen Lebensabschnitt des späteren Nobelpreisträgers. Anders als viele Museen setzt es dabei nicht auf große Inszenierungen, sondern auf eine ruhige, fast intime Atmosphäre. Mit den historischen Bücherregalen, der schmalen Wendeltreppe sowie Sesseln und Sofas das Hesse-Kabinett eher ein Ort zum Verweilen als eine Ausstellung im klassischen Sinne.
Du kannst dich hier hinsetzen, in Büchern blättern und Fotografien aus Hermann Hesses Leben anschauen. Gerade diese Zurückhaltung macht den Besuch besonders: Das Hesse-Kabinett erklärt Hesse nicht – es lässt dich ihm näherkommen. Es ist ein stiller, aber eindrücklicher Kulturort für alle, die sich für Literatur, die Anfänge großer Autoren oder besondere Orte in der Tübinger Altstadt interessieren.
Hesse-Kabinett auf einen Blick


Historischer Stadtfriedhof – Zwischen Erinnerung und Stadtgeschichte
Der Stadtfriedhof in Tübingen ist kein Ort, den man einfach „besichtigt“. Zwischen alten Bäumen und historischen Grabsteinen begegnet dir hier ein Stück Stadtgeschichte, das nicht ausgestellt wird, sondern still gegenwärtig bleibt. Der Friedhof wurde 1829 außerhalb der damaligen Stadtmauern angelegt. Heute wirkt er wie ein parkähnlicher Rückzugsraum inmitten der Stadt.
Viele bekannte Namen sind hier zu finden: Friedrich Hölderlin, Ludwig Uhland, Walter Jens, Hans Küng oder Kurt Georg Kiesinger. Doch es sind nicht nur diese Gräber, die den Friedhof prägen. Es ist die Dichte an Geschichten, die sich hier überlagern – aus Literatur, Wissenschaft, Politik und Geistesleben.
Gerade die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart macht den Stadtfriedhof so besonders.
Im ehemaligen Aufseherhaus am Eingang lebt heute die Tübinger Stadtschreiberin oder der Tübinger Stadtschreiber. Seit 2008 vergibt die Stadt dieses Stipendium an Dichterinnen und Dichter, die mehrere Monate hier wohnen und arbeiten. Während draußen alte Grabsteine an vergangene Leben erinnern, entsteht drinnen neue Literatur.
Auch die Ausstellung „Tod und Erinnerung“ im Erdgeschoss des Hauses führt diesen Gedanken weiter. Sie erzählt nicht nur von Bestattungskultur, sondern stellt leise Fragen: Wie gehen wir heute mit Erinnerung um? Und was bleibt von einem Leben?
Besonders eindrücklich ist das sogenannte Gräberfeld X. Hier wurden in der Zeit des Nationalsozialismus über 1.000 Menschen bestattet, deren Körper nach ihrem Tod dem Anatomischen Institut übergeben worden waren – viele von ihnen Opfer der NS-Gewaltherrschaft.
Dass ihre Namen heute dokumentiert und ihre Geschichten weiter erforscht werden, verändert den Blick auf den Friedhof. Er erinnert nicht nur, sondern fordert auch dazu auf, genauer hinzusehen. Er ist kein abgeschlossenes Kapitel der Stadtgeschichte, sondern ein stiller Ort, in dem Vergangenheit und Gegenwart nebeneinander bestehen.
Wenn du dir Zeit für die vielen Facetten des Stadtfriedhofs nimmst, gehört er zu den bemerkenswertesten Stationen in Tübingen – gerade weil er sich nicht auf den ersten Blick erschließt.
Stadtfriedhof Tübingen auf einen Blick



Von der Stadtgeschichte zur Menschheitsgeschichte
Das Museum Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen erweitert die Perspektive noch einmal deutlich. Hier geht es nicht mehr nur um Tübingen selbst, sondern um kulturelle Entwicklung über Jahrtausende hinweg – von den ältesten Kunstwerken der Menschheit bis zu den Zeugnissen früher Siedlungsgeschichte.
Museum Alte Kulturen – Weltkulturerbe auf Schloss Hohentübingen
Nach Stadtgeschichte, Literatur und Erinnerung geht es im Museum Alte Kulturen nicht mehr nur um Tübingen selbst, sondern um mehrere Jahrtausende Kulturgeschichte.
Schon der Weg hinauf zum Schloss Hohentübingen gehört fzum Besuch dazu. Die Anlage thront über der Altstadt und eröffnet nicht nur eine weite Aussicht über Tübingen und die Schwäbische Alb, sondern gibt dem Museum auch den passenden Rahmen.
Im Museum Alte Kulturen spannt sich der Bogen von der Frühgeschichte bis in die Antike. Auf rund 2.000 Quadratmetern sind etwa 4.600 Exponate zu sehen. Besonders eindrucksvoll finde ich, dass hier Funde aus gleich zwei UNESCO-Welterbestätten zusammenkommen. Dazu gehören die berühmten Eiszeitfiguren aus Mammutelfenbein, darunter auch das Vogelherd-Pferdchen, ebenso wie Fragmente der ältesten bekannten Musikinstrumente der Menschheit. Hinzu kommen Objekte aus dem UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“, die einen Einblick in das Leben früher Siedlungsgemeinschaften geben.
Gerade diese Verbindung macht das Museum für mich so besonders: Es zeigt nicht nur einzelne herausragende Objekte, sondern macht sichtbar, wie weit die kulturelle Geschichte dieser Region zurückreicht.
Bei meinem Besuch hatte ich das Glück, statt der angekündigten Highlight-Führung eine ebenso informative wie kurzweilige Privatführung zu erleben. Danach konnte ich mir einige der wichtigsten Stücke noch in Ruhe ansehen. Ein Highlight war für mich auch die Ägyptische Sammlung mit der begehbaren Opferkammer des Seschemnefer III. aus Gizeh und dem Sarg des Idi aus Assiut, dessen Deckel mit einer einzigartigen Sternuhr verziert ist.
Doch auch jenseits dieser Höhepunkte lohnt sich der Rundgang. Der Tübinger Waffenläufer und der Rittersaal mit seinen rund 350 Abgüssen griechischer und römischer Skulpturen zeigen, dass dieses Museum nicht nur von wenigen berühmten Exponaten lebt. Es ist ein Ort, an dem sich immer wieder neue Zusammenhänge auftun.
Dazu passt auch ein Stück, das du bei deinem Besuch auf Schloss Hohentübingen nicht übersehen solltest: das Tübinger Riesenfass im Schlosskeller. Es wurde ab 1546 erbaut, fasst rund 85.000 Liter und gilt als das älteste erhaltene Riesenweinfass der Welt.
Gerade die Verbindung aus Schlossgeschichte, archäologischen Funden, Weltkulturerbe und regionaler Geschichte macht das Museum Alte Kulturen zu einem der spannendsten Museen in Tübingen.
Museum Alte Kulturen auf einen Blick


Tübingen und die Gegenwartskunst
So sehr Tübingen von Geschichte, Literatur und Erinnerung geprägt ist, so lebendig ist auch die Gegenwartskunst in der Stadt. Mit der Kunsthalle Tübingen und dem Neuen Kunstmuseum Tübingen gibt es zwei Häuser, die den Blick bewusst in die Gegenwart richten – allerdings auf ganz unterschiedliche Weise.
Die Kunsthalle Tübingen steht seit Jahrzehnten für Ausstellungen mit internationalem Anspruch und eine fundierte Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Das Neue Kunstmuseum Tübingen setzt dagegen stärker auf einen offenen, biografischen und multimedialen Zugang. Zusammen zeigen beide, dass die Tübinger Museumslandschaft nicht bei ihrer Vergangenheit stehen bleibt, sondern sich auch in der Gegenwart sichtbar weiterentwickelt.
Kunsthalle Tübingen – Zeitgenössische Kunst mit internationalem Anspruch
Die Kunsthalle Tübingen gehört seit mehr als 50 Jahren zu den prägenden Adressen für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in der Region. Mit ihren wechselnden Ausstellungen bringt sie immer wieder internationale Kunst nach Tübingen und zeigt, dass anspruchsvolle Ausstellungen nicht nur in den großen Metropolen stattfinden.
Gleichzeitig versteht sich die Kunsthalle nicht als abgeschlossenes Expertenhaus, sondern möchte Kunst für viele Menschen zugänglich machen. Interaktive, partizipative und generationenübergreifende Vermittlungsformate gehören hier genauso dazu wie die Ausstellungen selbst. Dass dieser Ansatz auch überregional wahrgenommen wird, zeigt der Lotto-Museumspreis Baden-Württemberg, den die Kunsthalle 2022 erhielt.
Wie dieser Anspruch in der Praxis aussieht, habe ich bei meinem Besuch der aktuellen Ausstellung „Alex Katz. Dancing with Reality“ (Besuch im April 2026) erlebt. Diese Schau machte deutlich, wofür die Kunsthalle Tübingen steht: für international bedeutende Gegenwartskunst, die auch in einer kleineren Stadt mit großer Sorgfalt, fachkundiger Vermittlung und einem offenen Zugang präsentiert wird.
Bei der Führung erschloss sich mir die Ausstellung noch einmal anders. Was auf den ersten Blick klar und reduziert wirkt, gewann im Gespräch deutlich an Tiefe. Genau darin liegt für mich eine große Stärke der Kunsthalle: Sie holt wichtige Werke der zeitgenössischen Kunst nach Tübingen und schafft zugleich einen Rahmen, in dem man sich ihnen ohne Berührungsängste nähern kann.
Wenn du dich für zeitgenössische Kunst, moderne Ausstellungen oder internationale Künstlerinnen und Künstler interessierst, ist die Kunsthalle Tübingen eine der wichtigsten Adressen der Stadt.


Bei einer Führung durch die Ausstellung Alex Katz „Dancing with Reality“ erklärte die Kunstvermittlerin die Arbeitstechnik des Künstlers von der Vorskizze bis zum vollendeten Werk am Beispiel dieses Bildes aus der Serie „Claire McCardell“.
Neues Kunstmuseum Tübingen – Ein neuer Impuls für Tübingens Kunstszene
Mit dem Neuen Kunstmuseum Tübingen hat die Stadt seit 2025 einen Kulturort gewonnen, der die Tübinger Museumslandschaft spürbar erweitert. Das privat finanzierte Haus versteht sich nicht nur als Ausstellungsort, sondern ausdrücklich als Forum für Kunst und Kultur. Ziel ist es, einen neuen, möglichst offenen Zugang zur Kunst zu schaffen.
Schon die Eröffnung mit „Udo Lindenberg – Panik in Tübingen“ zeigte, in welche Richtung hier gedacht wird: Kunst soll nicht auf Distanz gehalten, sondern in einen größeren Zusammenhang gestellt und multimedial erlebbar werden.
Diesen Eindruck hatte ich auch bei meinem eigenen Besuch. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die James-Rizzi-Ausstellung mit dem Nachbau des Ateliers. Gerade dieser Blick in den Arbeitsraum des Künstlers hat für mich einen besonderen Zugang geschaffen, weil er die Werke stärker mit der Person dahinter verbunden hat.
Genau darin scheint mir eine der Stärken des Neuen Kunstmuseums zu liegen. Es zeigt nicht nur Kunst, sondern versucht, auch die Künstlerpersönlichkeit, ihre Arbeitsweise und ihr Umfeld sichtbar zu machen. So wird zeitgenössische Kunst zugänglich, ohne dass sie an Tiefe verliert.
Auch das weitere Programm unterstreicht diesen Anspruch. Mit der Ausstellung „95 Jahre Janosch“ und dem angekündigten Projekt „Ronnie Wood. The Artist“ setzt das Haus auf bekannte Namen, aber zugleich auf Formate, die Kunst biografisch, räumlich und emotional erfahrbar machen.
Hinzu kommt, dass das Neue Kunstmuseum Tübingen nicht bei Ausstellungen stehen bleibt. Mit Veranstaltungsreihen wie „Gysis Begegnungen“ hat es sich zugleich als Ort des Austauschs etabliert, an dem Gäste aus Politik, Kultur, Medien und Gesellschaft zusammenkommen.
Für mich ist das Neue Kunstmuseum Tübingen deshalb mehr als ein weiteres Museum in der Stadt. Es bringt neue Themen, neue Formate und auch ein neues Publikum nach Tübingen. Gerade dadurch setzt es einen eigenen Akzent innerhalb der Tübinger Kunstlandschaft.
Neues Kunstmuseum Tübingen auf einen Blick




Mein Fazit zur Tübinger Museumslandschaft
Die Tübinger Museumslandschaft hat mich vor allem deshalb beeindruckt, weil sich hier sehr unterschiedliche Orte zu einem stimmigen Ganzen verbinden. Zwischen Stadtmuseum, Hölderlinturm, Hesse-Kabinett und Historischem Stadtfriedhof wird deutlich, wie eng Stadtgeschichte, Literatur und Erinnerungskultur in Tübingen miteinander verwoben sind. Mit dem Museum Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen weitet sich dieser Blick weit über die Stadt hinaus in die Frühgeschichte der Menschheit. Kunsthalle und Neues Kunstmuseum Tübingen zeigen schließlich, dass Tübingen nicht nur von seiner Vergangenheit lebt, sondern auch in der Gegenwartskunst wichtige Impulse setzt.
Für mich macht gerade diese Verbindung den besonderen Reiz der Museen in Tübingen aus. Es geht nicht nur um einzelne Sammlungen oder Ausstellungen, sondern um Orte, die sich gegenseitig ergänzen und gemeinsam ein vielschichtiges Bild der Stadt entstehen lassen.
Dieser Beitrag versammelt deshalb keine vollständige Übersicht, sondern eine persönliche Auswahl. Wer sich auf diese Orte einlässt, lernt Tübingen nicht nur als schöne Universitätsstadt am Neckar kennen, sondern auch als Kulturstadt von bemerkenswerter Vielfalt.
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Für deinen Besuch in Tübingen findest du auf der Seite des Stadtmagazins Tübingen Südstadt wertvolle Tipps zu kulturellen Veranstaltungen, Ausflugszielen und Gastronomie in Tübingen.
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